Programm
Demokratischer Wandel oder völkische Kontinuitäten?
Ungarn vor den Wahlen
Ungarn wählt – und zwar im April 2026. Aber wohin geht die Reise? Ungarn gehört zu den Ländern Mitteleuropas, in denen nach der Aufklärung weniger das Konzept der politischen Nation mit der Idee der universellen Menschenrechte, sondern vielmehr die Vorstellung eines ethnisch homogenen Nationalstaats Fuß fasste. Da es in Wirklichkeit keine gesellschaftliche Homogenität geben kann, wird sie mit Hilfe von Verschwörungsmythen konstruiert. Im Zentrum der Mythenbildung steht die ‚heilige ungarische Krone‘, die seit dem 19. Jahrhundert die ‚Blutsgemeinschaft östlich-primordialer Herkunft‘ symbolisiert. Die gegenwärtige Orbán-Regierung, seit 2010 an der Macht, sieht sich in der Pflicht dieser neupaganistischen Tradition. So integrierte sie die ‚heilige ungarische Krone' im 2012 verabschiedeten Grundgesetz, die somit – an ihrer wichtigsten Stelle, in der Präambel – über der Unantastbarkeit der individuellen Menschenwürde steht.
Was ist in Ungarn ab 2026 zu erwarten? Die Ungarn-Expertin Dr. Magdalena Marsovszky widmet sich in ihrem Vortrag der Frage, ob Veränderungen hin zu mehr Demokratie realistisch sein könnten oder ob vielmehr zu erwarten ist, dass eine völkische Politik ihre Fortsetzung findet
Magdalena Marsovszky, gebürtig aus Ungarn, ist Sozialwissenschaftlerin und freie Autorin. Zur Zeit forscht sie als Mitglied im Forschungskolleg ‚Rechtspopulismus‘ an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Sie ist Mitglied im Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e.V. (https://forschungsforum.net/) und in der Gesellschaft für Antiziganismusforschung, GFA (https://www.antiziganismusforschung.de/). Zuletzt erschien ist von ihr im Springer Verlag „Erfindung und Okkultisierung des Magyarentums, der heilige Gral und die heilige ungarische Krone. Völkische Esoterik in Ungarn als Gegenkultur und Modernisierungsabwehr“.
Dr. Magdalena Marsovszky
Di, 17.03. 18.30-20 (2 UStd)
Dieser Kurs kostet 5,00€.
Nr. 2164H
Haus der Ev. Kirche, Kartäusergasse 9-11
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